Geschichte

Trotz der schwierigen Nachkriegszeit waren im Jahre 1952 einige beherzte Männer davon überzeugt, daß man auch in Kesternich Karneval nach alter rheinischer Sitte feiern könnte.

Der Vorsitzende des Trommler- und Pfeiferkorps Hubert Küpper, und sein Tambourmajor Hubert Wollgarten ergriffen die Initiative und organisierten nach vorbereitenden Gesprächen, ein erstes Treffen, an dem alle Ortsvereine teilnahmen. An diesem 14. November 1952 wurde dann im Lokal Jousten von allen Anwesenden die Karnevalsgesellschaft „Kester Lehmschwalbe“ ins Leben gerufen, die nunmehr die zweitälteste KG in der Nordeifel ist.

Als Grundgedanken wurde folgender Satz geprägt:

„Auch der ärmste Sohn unseres Dorfes, der das 18. Lebensjahr überschritten hat, soll Prinz werden können“.

Die Karnevalsgesellschaft sollte einen Namen haben, der mit dem Ort in Verbindung stand. Schnell war der Name „Kester Lehmschwalben“ gefunden. Der Name Lehmschwalbe hat seine Bedeutung aus längst vergangenen Tagen. Die Häuser in der Eifel wurden um die Jahrhundertwende vorwiegend aus Holz (Fachwerk) und Lehm gebaut. Das Lehmauftragen übernahmen die Pützer und Pliesterer. Bei dem Auftragen des Lehmes „hingen“ die Pützer und Pliesterer an den Wänden, so das ein Vergleich zu den nestbauenden Mehlschwalben schnell geschlossen war. Da der Beruf des Pützers und Pliesterers in der damaligen Zeit in Kesternich stark vertreten war, wurde das Wortspiel „Lehmschwalben“ auf die Kesternicher Bevölkerung übertragen.

Durch die finanzielle Unterstützung einiger Idealisten und die fachmännische Beratung unseres heutigen Ehrenzeremonienmeisters Heinz Brammertz konnte die KG ihre Arbeit aufnehmen. Am 18. Januar 1953 wurde der Kesternicher Bevölkerung dann die erste Kappensitzung präsentiert. Bestärkt durch den anfänglichen Erfolg wurde dem närrischen Treiben in den nächsten Jahren noch intensiver nachgegangen. Man hielt sogar in benachbarten Orten mit großem Erfolg Kappensitzungen ab.

Aus der anfänglichen kleinen Schar von Aktiven entwickelte sich eine der größten Karnevalsgesellschaften der Region, die längst über die Grenzen der Eifel hinaus bekannt ist. Die Karnevalsgesellschaft, die zum heutigen Zeitpunkt aus über 60 aktiven Mitgliedern besteht, setzt sich aus dem Vorstand, dem Elferrat, den Funken und Fahnenträger, sowie aus 2 Tanzgarden und dem Tanzmariechen zusammen. Schon früh merkten die „Macher“ des Kester Karnevals, das der Karneval auf lange Sicht nicht ohne Jugendarbeit auskam. Ab 1960 wurde dann in Kesternich auch die Jugend in Sachen Karneval mobilisiert. Seit dieser Zeit wird auf den Kinderkarneval in Kesternich besonderer Wert gelegt. Neben der jährlich stattfindenden Kindersitzung, auf der neben vielen Auftritten von Kindergruppen, auch der Kinderprinz proklamiert wird, versuchen wir den Kindern mit weiteren Aktionen rund um den Karneval das Brauchtum zu vermitteln. Das dies mit Erfolg getan wird, zeigt die immer größer werdende Zahl von aktiven Kindern. Zur Zeit können wir auf ca. 45 aktive Kinder stolz sein, die sich im Kinderelferrat, sowie den verschiedenen Kindertanzgruppen wohlfühlen.

Die Karnevalssession wird in Kesternich durch die Kostümsitzung eingeläutet, auf der als Höhepunkt der neue Prinz proklamiert wird. Traditionell ist der Name des Prinzen ein großes Geheimnis, das erst gelüftet wird, wenn der Prinz in das tosende Festzelt einzieht. Dann gibt es oftmals erstaunte Gesichter, wenn der eigene Vater oder Bruder als Tollität proklamiert wird, ohne das dies im Familienkreis bekannt war. Weiter geht es mit der Kindersitzung, auf der das Programm ausschließlich durch Kinder gestaltet wird. Gespannt ist man auch hier auf den Einzug des Kinderprinzen, da auch dieser Name geheim gehalten wird. Die Zeit der Tanzveranstaltungen wird durch den Altweiberball eingeläutet, der so manchesmal das Festzelt fast zum Platzen gebracht hat. Neben den Tanzveranstaltungen am Karnevalssamstag und Sonntag, wird schon seit etlichen Jahren ein Frühschoppen am Karnevalssonntag abgehalten, der die Kapazität des Festzeltes an seine Grenzen bringt. Durch das Mitwirken vieler befreundeter Karnevalsgesellschaften und Vereinen aus den Nachbarorten wird ein Programm geboten, das sein Ende erst spät im Nachmittag findet.

Mit Stolz schaut die KG auf ihren traditionellen Rosenmontagszug, der durch die phantastische Mitwirkung der Bevölkerung zum größten Rosenmontagszug der Nordeifel geworden ist. Hier kann man noch herrliche Wagen bestaunen, die allesamt nur für diesen einen Tag in vielen Stunden gebaut wurden. Neben etwa 8 Wagen finden sich etliche Fußgruppen zusammen, die jedes Jahr aufs neue aktuelle Themen wunderbar darstellen. Ihren Ausklang findet die jeweilige Karnevalssession mit einem Streifzug durch die örtlichen „Lokalitäten“ am Veilchendienstag.

Das aber am Aschermittwoch nicht alles vorbei ist, zeigen verschiedene Aktivitäten der KG. Ein Sommerfest für die ganze Familie ist schon ein fester Bestandteil im Terminplan der Dorfbevölkerung. Zahlreiche Einladungen zur Teilnahme an Festzügen und Feierlichkeiten von befreundeten Vereinen werden alljährlich wahrgenommen. Auch in kurzen Hosen machen die Aktiven der KG eine gute Figur. So wurde in den letzten Jahren erfolgreich an verschiedenen Fussballturnieren teilgenommen.